Kinder- und Jugendprojekt „Cooleranz! – Toleranz ist cool“

Von Januar bis Juli 2017 veranstaltete KulturLeben Berlin in Kooperation mit dem Moabiter Ratschlag e.V. und dem Stadtteilverein Tiergarten e.V. bereits im zweiten Jahr das Kinder- und Jugendprojekt „Cooleranz! – Toleranz ist cool“. Das Angebot richtete sich vor allem an bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren. Das Konzept stammt von den Künstlerinnen Elisa Canducci und Yam Benyamini.

Unter der Leitung von Elisa Canducci, Fabrizia Venetta und anderen Künstlern nahmen im ersten Halbjahr 2017 fünf unterschiedliche Gruppen mit Kindern und Jugendlichen am Projekt teil. Die sozialen Partner unterstützten die Umsetzung des Projekts durch zusätzliche pädagogische Begleitung.

t-shirt-25„Alle Menschen sind gleich. Jeder Mensch ist besonders.“
Im Projekt setzten sich Kinder und Jugendliche mit dem Thema Toleranz spielerisch und künstlerisch auseinander. Museumsbesuche, Texte, Gesprächsrunden und Rollenspiele boten Anreiz und Anregung, sich dem Thema gemeinsam zu nähern. Neben einer Einführung in verschiedene künstlerische Arbeitsweisen erhielten die Teilnehmenden auch Einblicke in die Entstehungsprozesse von Bildsprache und deren Umsetzung in einen sprachlichen Kontext. Im nächsten Schritt wandten sie das Erlernte selbst an. Zum Abschluss präsentierten alle Gruppen in einer Mach-Mit-Ausstellung ihre Ergebnisse.

Ziel des war es, unter dem Motto „Alle Menschen sind gleich. Jeder Mensch ist besonders.“ den interkulturellen Austausch zwischen den Teilnehmenden über soziale und sprachliche Grenzen hinweg zu fördern. Über künstlerische Prozesse lernten die Teilnehmenden nach und nach, sich anderen zu öffnen und ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln.

Vom Museumsbesuch zur eigenen Kreation: Erst schauen, dann reden, dann selber machen
Eine große Herausforderung des Projekts war es, den Kindern und Jugendlichen das Thema Toleranz spielerisch und kreativ nahezubringen und in einem weiteren Schritt Anregungen dazu zu geben, wie Toleranz im persönlichen alltäglichen Leben umgesetzt werden kann. Die Kinder und Jugendlichen sollten verstehen lernen, dass die Ansichten und Lebensereignisse anderer so wichtig und wertvoll sind wie die eigenen. Die Ähnlichkeiten verbinden uns, aber auch die Unterschiede können unsere Neugierde wecken und Austausch und Kommunikation fördern. Im Museum für Kommunikation erfuhren die Teilnehmenden in einer Führung, was Piktogramme sind und was sie bedeuten können. Im Anschluss hatten sie Gelegenheit, sich über persönlichen Erfahrungen und Lebensgeschichten in Bezug auf das Thema „Toleranz“ auszutauschen und wichtige Aspekte in einfachen Zeichnungen darzustellen.

Auseinandersetzung mit der eigenen Biografie
Während des Projekts wurde eine besondere Methode angewandt, um den Kindern und Jugendlichen die Gelegenheit zu geben, in der Gruppe über ihre persönliche Biografie zu sprechen und diese mit dem Thema Toleranz zu verknüpfen. Die Kinder erhielten zunächst einen kleinen Fragenkatalog. Gefragt wurde z.B. nach einer schönen Lebenserinnerung, nach persönlichen Zukunftswünschen oder nach eigenen Erfahrungen mit Ungerechtigkeit. Die Antworten sollten sie in Stichworten notieren und dann der Gruppe vorstellen. Ziel war es, den Kindern Mut zu machen, persönliche Erfahrungen, Meinungen und Einstellungen vor anderen zu präsentieren und zu diskutieren. Die Teilnehmenden lernten, den anderen zuzuhören,  obwohl diese vielleicht unterschiedlich dachten, andere Interesse hatten, andere Sprachen sprachen, eine andere Hautfarbe hatten und oder einer anderen Religion angehörten. Schritt für Schritt lernten sie, vorschnelle Urteile zu revidieren und anderen mehr Verständnis, Toleranz und Respekt entgegenzubringen.

Eine eigene Bildsprache entwickeln – Wie die Piktogramme uns verbinden können
Mit Hilfe von Piktogrammen gelingt es, komplizierte Sachverhalte in lesbare Zeichen zu übersetzen und eine für alle verständliche Bildersprache zu entwickeln. Nachdem die Teilnehmenden ihre persönlichen Geschichten in der Gruppe vorgestellt hatten, lernten sie, diese in einfachen Zeichnungen darzustellen. Die relevanteren Motive/Symbole der gezeichneten Geschichten wurden grafisch-künstlerisch abstrahiert und in Piktogramme umgesetzt. Am Ende wurden sie im Linoleum geschnitzt und zu Stempeln verarbeitet.

Mach mit! Eigenes T-Shirt und eigene Ausstellung
Mit den selbst entworfenen Piktogrammen bedruckten die Kinder und Jugendlichen mittels verschie-dener Techniken wie Sieb- und Linoldruck ihr eigenes T-Shirt. Die vielfältig möglichen Kombinationen der Piktogramme erlaubten einerseits, dass die T-Shirts unterschiedlich aussahen, gleichzeitig wurden aber auch die Gemeinsamkeiten zwischen den Teilnehmenden herausgestellt. Am Ende wurde jedes Kind im selbstbedruckten T-Shirt fotografiert. Teilnehmende ebenso wie „Zuschauer*innen“ sollten dazu motiviert werden, sich mit der Frage „Was steckt dahinter?“ zu befassen und Lust darauf bekommen, mehr über die T-Shirt-Trägerin/den T-Shirt-Träger zu erfahren. Die Piktogramme auf dem T-Shirt bringen die individuelle Geschichte und die persönlichen Interessen des Trägers/der Träger*in zum Ausdruck und laden zur Kommunikation mit anderen ein.

Am 8. Juli 2017 präsentierten alle Teilnehmenden des Projekts gemeinsam in einer Mach-Mit-Ausstellung  auf dem Sommerfest im Schulgarten Moabit ihre selbst entworfenen Piktogramme und Fotos öffentlich. Indem sie ihre eigenen Kreationen Familien, Freunden und Festbesuchern näher brachten, erfuhren die Kinder und Jugendlichen Anerkennung und ein neues Selbstwertgefühl. Auch die Freunde der Kinder hatten die Möglichkeit mit den vorhandenen Stempel ihr eigenes T-Shirt zu drucken. Die Gast-Kinder wurden am Ende ebenfalls fotografiert, ihre T-Shirt-Fotos wurden neben den Fotos ihrer Freunde präsentiert. Die T-Shirt-Fotos und Piktogramme wurden auf ein Plakat gedruckt und ebenfalls in der Ausstellung gezeigt.

Alle Fotos und Piktogramme sind in einer Projekt-Broschüre dokumentiert. Die Broschüre kann unter  presse@kulturleben-berlin.de bestellt werden.

Weitere Informationen zum Projekt Cooleranz! – Toleranz ist cool: http://cooleranzprojekt.weebly.com/


Förderer

Das Projekt „Cooleranz! – Toleranz ist cool“ wurde gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Paritätischen Gesamtverband (Bundesprogramm „Kultur macht stark.“)

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert über das Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ außerschulische kulturelle Bildungsmaßnahmen. Diese Maßnahmen sollen von zivilgesellschaftlichen Akteuren erbracht werde, die sich in sogenannten „Bündnissen für Bildung“ vor Ort zusammenschließen, und richten sich an bildungsbenachteiligte Kinder und Jugendliche, um diese in ihrer Entwicklung zu unterstützen und ihre Selbstmotivation zu stärken. Umgesetzt wird das Förderprogramm gemeinsam mit 33 bundesweiten Verbänden und Initiativen, die von einer Jury ausgewählt wurden. Der Paritätische Gesamtverband ist einer von ihnen. Die förderfähigen Maßnahmen umfassen alle künstlerischen Sparten und Kulturformen bis hin zur Medienbildung und Alltagskultur. Das Programm wird von 2013 bis 2017 vom BMBF mit insgesamt 230 Millionen Euro gefördert.

Alle Informationen zum Förderprogramm finden Sie unter: www.buendnisse-fuer-bildung.de


Paritätischer Gesamtverband
Der Paritätische Gesamtverband fördert im Rahmen des Programmes „Kultur macht stark“ kulturpädagogische Maßnahmen auf der Grundlage seiner Konzeption „Förderung von außerschulischen Maßnahmen. Ich bin HIER“. Das Wort „HIER“ setzt sich aus Herkunft, Identität, Ent-wicklung und Respekt zusammen und bildet somit die Leitgedanken der Maßnahmen. Mit den Angeboten sollen Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren mit und ohne Migrationshintergrund sowie mit und ohne Behinderung, die in sozial benachteiligten Stadtteilen oder strukturschwachen Gebieten leben, erreicht werden. Ziel der Maßnahmen ist die Stärkung eines positiven Selbstkonzeptes unter der Aneignung und Darstellung des Sozialraumes der benachteiligten Kinder und Jugendlichen. Deren vorhandene Kompetenzen sollen unterstützt und weitere entwickelt und gefördert werden. Zentrale Schlüsselkompetenzen sind dabei Sprache und Kommunikation.

Alle Informationen zum Förderkonzept finden Sie unter: www.kms.paritaet.org


Projektleitung

Elisa Canducci ist bildende Künstlerin mit dem Schwerpunkt Malerei und Siebdruck. Seit 2013 leitet sie künstlerische Projekte in Kitas sowie außerschulischen und sozialen Einrichtungen. In ihrem eigenen Atelier in Berlin bietet sie auch Kunst- und Siebdruck-Workshops an. Elisa Canducci besitzt ein Diplom in Bildender Kunst der Accademia di Belle Arte Bologna (2002) und einen MA-Abschluss in Interaction Design der Domus Academy Mailand (2005). 2014 schloss Elisa Canducci die Fortbildung „Kunst in der Kita – Praxisorientierte Fortbildung für Künstler*innen und Erzieher*innen“ am Sozialpädagogischen Fortbildungsinstitut Berlin-Brandenburg erfolgreich ab. 2015 folgte der Abschluss der Weiterbildung „Kinder_Kunst_Räume“ für professionelle Künstlerinnen und Künstler zur künstlerischen Bildungsarbeit in Kitas (Verbundprojekt der der Universität Erfurt und der Stiftung SPI in Berlin). Als Leiterin von Workshops in Bereich der künstlerischen Bildung arbeitet Elisa Canducci mit dem Ziel, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Migrationshintergrund sowie mit und ohne Behinderung über kulturelle, soziale und sprachliche Grenzen hinweg für künstlerisch-ästhetische Prozesse zu begeistern.

Fabrizia Vanetta arbeitet hauptsächlich mit Malerei und Zeichnung. Sie wurde als freischaffende Künstlerin an der Akademie der Bildenden Künste in München und an der Universität der Künste in Berlin ausgebildet. Ihr Studium schloss sie als Meisterschülerin und mit dem Diplom (2011) in München in einer Klasse für Freie Malerei ab. Als Kunstlehrerin betreute sie in einem privaten Lerninstitut Kinder auf dem zweiten Bildungsweg zur mittleren Reife. 2015 schloss sie die Weiterbildung „Kinder_Kunst_Räume“ für professionelle Künstlerinnen und Künstler zur künstlerischen Bildungsarbeit in Kitas ab (ein Verbundprojekt der Universität Erfurt und der Stiftung SPI in Berlin) und ist seither an der Konzeption und Durchführung künstlerischer Projekte mit Kindern und Jugendlichen beteiligt.