Aktion-Mensch-Projekt

Aufbau einer Koordinierungs- und Vernetzungsstelle für ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit zur Ermöglichung von kultureller und gesellschaftlicher Teilhabe von Flüchtlingen in Berlin

Projektdauer: 1.1.2016 – 31.12.2018

Seit 1. Januar 2016 erhält KulturLeben für drei Jahre eine Projektförderung von Aktion Mensch. Ziel ist der Aufbau einer Koordinierungs- und Vernetzungsstelle für Geflüchtete auf der Basis freiwilligen Engagements. Damit möchten wir die kulturelle Teilhabe für Menschen auf der Flucht fördern und die Willkommenskultur in unserer Stadt weiter stärken.

Unterstützung durch Partner der Flüchtlingshilfe und Berliner Kulturveranstalter

KulturLeben Berlin arbeitet mit zahlreichen Einrichtungen aus dem Bereich der Flüchtlingshilfe zusammen. Darunter sind örtliche Initiativen der Willkommenskultur, soziale Partnereinrichtungen (Flüchtlingsheime, Beratungsstellen, Volkshochschulen etc.), Partner aus Verwaltung und Politik, externe Bildungseinrichtungen und über 400 Kultureinrichtungen. Im Rahmen des Projekts werden weitere Partner aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen gewonnen. Die Koordinierungs- und Vernetzungsstelle wird Multiplikatoren der Flüchtlingshilfe einerseits und des Kulturbereichs andererseits als kommunikative Plattform dienen und den Austausch der Sektoren fördern

Vertrauen als Schlüssel zur Kultur

Geflüchtete Menschen sind häufig traumatisiert und erleben einen großen Vertrauensverlust gegenüber ihrem aktuellen Umfeld und auch gegenüber sich selbst. Viele leiden an temporären oder permanenten psychosomatischen Erkrankungen. Traumata und verlorenes Vertrauen schränken Handlungsspielräume und Partizipationsmöglichkeiten der Menschen ein.

Hinzu kommen existentiell drängenden Problemlagen, mit denen sich Geflüchtete am neuen Lebensort konfrontiert sehen. Depressionen und Perspektivlosigkeit machen es den Menschen oft schwer, sich aus eigenem Antrieb neue (kulturelle) Orte zu erobern, auch wenn ein grundsätzliches Interesse für Kultur vorhanden ist. Nicht zuletzt spielen Sprachbarrieren eine Rolle. Um Vertrauen zu den geflüchteten Kulturgästen aufzubauen, Zugangsbarrieren zu senken und kulturelle Teilhabe möglich zu machen, haben wir unterschiedliche Wege der Kommunikation entwickelt, die im Folgenden vorgestellt werden.

Kulturvermittlung für Geflüchtete

Ein Schwerpunkt unseres Projekts liegt auf der persönlichen telefonischen Vermittlung kostenloser Kulturplätze an Menschen mit Fluchterfahrung. Dazu zählen Einzelpersonen genauso wie Familien oder Gruppen. Nur durch persönliche Begegnung können wir Vertrauen aufbauen und neue Kulturgäste gewinnen. Mit Unterstützung unserer Partner sind wir an unterschiedlichen Orten regelmäßig persönlich präsent, um unser Projekt vorzustellen und neue Kulturgäste aufzunehmen.

  • Flüchtlingsunterkünfte
  • Initiativen der Willkommenskultur
  • Sprachschulen und Integrationsklassen
  • Lebensmittelausgabestellen von Laib und Seele

Mitarbeiter*innen mit Flucht- oder Migrationshintergrund, die als Freiwillige ins Team integriert sind, helfen uns, Sprachbarrieren bei der Aufnahme neuer Kulturgäste und bei der Kartenvermittlung zu überwinden. Viele Menschen fassen eher Vertrauen und lassen sich leichter dazu motivieren, eine Kulturveranstaltung zu besuchen, wenn Landsleute in der eigenen Sprache zum Kulturbesuch einladen. Über unser multilingualse Team bieten wir Kulturvermittlung in Arabisch, Farsi, Englisch, Französisch, Spanisch und Yoruba an.

Kulturbegleitung als Brücke

Unser Ziel ist es, Geflüchtete nach persönlichem Bedarf dabei zu unterstützen, ihr soziales und kulturelles Umfeld kennen- und erleben zu lernen, so dass sie nach und nach Ängste und Barrieren abbauen und zumindest in einigen Lebensbereichen eine neue Eigenständigkeit erwerben können. Um Hemmschwellen zu senken und die Neuangekommenen mit der kulturellen Landschaft Berlins vertraut zu machen, haben wir einen Arbeitskreis Kulturbegleitung für Geflüchtete aufgebaut. Auf Wunsch begleiten kulturinteressierte Berlinerinnen und Berliner Geflüchtete ein bis zweimal im Monat zu Kultur- und Sportveranstaltungen. Der „Heimvorteil“ der Kulturbegleiter*innen verleiht den neu Angekommenen Sicherheit und bietet gleichzeitig beiden Seiten die Chance, sich über das gemeinsam Erlebte auszutauschen und sich besser kennenzulernen.

Freiwillige Kulturbotschafter*innen

Menschen mit Fluchterfahrung, die länger in Berlin leben und die Stadt kennen, können sich ebenfalls bei KulturLeben Berlin freiwillig engagieren. Als Kulturbotschafter*innen sind sie in Flüchtlingsheimen oder innerhalb ihres Freundes- und Familienkreises aktiv und helfen anderen Geflüchteten bei der Anmeldung als Kulturgast. Außerdem führen sie die neu Angekommenen als Kulturbegleiter*innen in die Berliner Kulturlandschaft ein.

Eigene Projekte – Veranstaltungen und Workshops für und mit Geflüchtete(n)

Es gibt viele Gründe, warum es geflüchteten Menschen schwer fällt, an der Berliner Kulturlandschaft teilzuhaben. Daher organisieren wir in Kooperation mit Partnern der Flüchtlingshilfe eigene Musik-, Kunst- oder Sportprojekte, über die wir Menschen mit Fluchterfahrung dazu motivieren möchten, gemeinsam mit anderen Geflüchteten und mit Berlinerinnen und Berlinern künstlerisch oder sportlich aktiv zu werden. Denn innerhalb einer Gruppe ist es leichter, sich auf neue Begegnungen und Erfahrungen einzulassen, Ängste abzubauen und sich neue (kulturelle) Räume zu erobern. Kulturschaffende unter den Flüchtlingen bieten wir die Gelegenheit, ihre Kunst öffentlich zu zeigen.

Einen Überblick über unsere aktuellen Projekte finden Sie unter www.kulturleben-berlin.de/projekte


Die Projektbeschreibung in englischer und deutscher Sprache finden Sie hier:

Projektbeschreibung AKTION MENSCH
Project Description AKTION MENSCH

Den Anmeldeflyer für Gäste mit Fluchterfahrung finden Sie hier:

KulturLeben Berlin_Flyer Aktion Mensch

Bitte beachten Sie: Unser Anmeldeflyer befindet sich aktuell in Bearbeitung und steht Ihnen in Kürze wieder online zur Verfügung.


Kultur tut gut – Kulturelle Teilhabe für Geflüchtete und Gesundheit

Durch den Austausch mit unseren Kultugästen und sozialen Partnereinirchtungen wissen wir, dass kulturelle Teilhabe das psychische und physische Wohlbefinden geflüchteter Menschen in schwierigen sozialen Lebenslagen nachhaltig verbessern kann. Damit Menschen in schwierigen Lebenslagen sich auf das „Abenteuer Kultur“ einlassen können, brauchen sie besondere Aufmerksamkeit, positive Arten der Zuwendung, persönliche Motivation und Zeit. Die persönliche Einladung zur Kulturveranstaltung erweist sich besonders bei geflüchteten Menschen als zentraler Faktor, um Schwellenängste abzubauen und einen Prozess der Veränderung und Öffnung in Gang zu setzen. Kulturelle Erfahrungen können lange nachwirken und die persönliche Lebensqualität entscheidend beeinflussen. Eine Stärkung des Selbstbewusstseins und der Eigenständigkeit geht damit Hand in Hand, so dass sich neue Perspektiven und Gestaltungsmöglichkeiten für das eigene Leben eröffnen.

Das Thema „KulturLeben Berlin tut gut – Kulturelle Teilhabe und Gesundheit“ stand im Mittelpunkt unserer Jahrespressekonferenzen 2017 und 2018. Die Pressemappen laden Sie hier herunter:

Pressemappe Jahrespressekonferenz KulturLeben Berlin 2018
Pressemappe Jahrespressekonferenz KulturLeben Berlin 2017

Wie sich kulturelle Teilhabe auf Menschen in vulnerablen Lebenssituationen auswirkt, hat die interdisziplinäre Forschungsgruppe des TechEnergy for Africa e.V. in Kooperation mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und KulturLeben Berlin 2017 in der CASTLE-Studie (Cultural Space for a Healthy Life) wissenschaftlich untersucht. Die Studie wurde unter der Leitung der Ärztin und Gesundheitswissenschaftlerin Dr. med. Beatrice Moreno MPH mit den Methoden des Health Technology Assessment (HTA) durchgeführt.

Auf KulturLeben Berlins Jahrespressekonferenz 2018 wurden die Ergebnisse der CASTLE-Studie (Cultural Space for a Healthy Life) von Dr. med. Beatrice Moreno MPH öffentlich präsentiert.

Zusammenfassung der Studienergebnisse: HTA-Studie Kulturelle Teilhabe und Gesundheit Dr. Med Beatrice Moreno MPA


Kontakt

Jana Vrubelova
Projektleitung
Tel.: 030 / 31 16 26 49
vrubelova@kulturleben-berlin.de

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